Rücksichtslose Reisewelle: Urlaub auf Virus-komm-raus

Seit mehr als zehn Jahren bin ich nicht mehr in Urlaub gewesen. Aber einige meinen, sie müssten trotz der Corona-Pandemie unbeindgt gerade jetzt in Risikogebiete reisen.
Ich kenne Menschen, die sin in ihrem Leben noch nie in Urlaub gewesen. Einige können sich Ferien finanziell nicht leisten; andere können als Selbständige ihren Arbeitsplatz nicht länger verlassen. Wieder andere können aus gesundheitlichen Gründen nicht einfach so in Urlaub fahren.
Doch die Reisewütigen ficht das nicht an. Das Coronavirus hält sie nicht auf. Ihr privates Vergnügen ist ihnen wichtiger als Gesundheit und Leben ihrer Eltern, Großeltern, Nachbarn oder anderer zufällig gerade in der Nähe befindlicher Menschen.
Einige beteuern, sie reisten ja nur in Ferienwohnungen und nähmen alles dorthin mit, was sie im Urlaub benötigen. Das mag dann vielleicht auch angehen. Aber viele verlieren im Urlaub einfach alle Hemmungen, lassen die Masken fallen und machen Party in Malle auf Virus-komm-raus.
Mich macht es wütend, dass die Zahl der Infektionen nun wieder stark steigt. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist sie am Sonntag (16. August) von 17 aktiven Fällen auf 29 gestiegen, wobei 13 Neuinfektionen zu verzeichnen waren. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.
Als Angehöriger einer sogenannten „Risikogruppe“ habe ich kein Verständnis dafür, dass überhaupt jemand ohne zwingenden Grund in einem „Risikogebiet“ Ferien macht. Auch das Gejammer der Tourismusbranche geht mir inzwischen schwer auf den Keks. Wer massentouristische Monokulturen zur Grundlae der Ökonomie einer gesamten Region gemacht hat, der hat die neoliberale Geschäftemacherei auf Kosten von Klima und Umwelt zur wirtschaftlichen Grundlage der Menschen gemacht, die genau an dieser Umweltzerstörung am Ende am meisten leiden.
Die Subvention von Fluglinien und Tourismuskonzernen aus Steuergeldern finde ich falsch. Wer darüber klagt, dass das Niveau der Flüge erst wieder in zwei oder drei Jahren das Niveau der Zeit vor der Pandemie erreichen werde, der hat die warnenden Menetekel immer noch nicht erkannt: „Flugscham“ ist kein Modewort, sondern die zukunftsträchtige Grundhaltung vernünftiger Menschen.
Es ist höchste Zeit, die Einschränkungen der Pandemie zum Wohle des Klimas zu nutzen und zu einer ökologischen Wirtschaft hin umzusteuern. Dafür müssen die Menschen auch die eine oder andere Einschränkung in Kauf nehmen. Doch diese Einschränkungen werden garantiert geringer ausfallen als die Einschränkungen an Gesundheit und Lebenserwartung, die ein „Weiter so“ zwangsläufig mit sich bringt.

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