Die Moral von Moria: Die EU rettet, wer Geflüchtete rettet

„Wo hast Du ihn kennengelernt?“, befragte ich meinen neuen Bekannten über einen gemeinsamen Freund. „Wir waren auf dem selben Plastikboot auf dem Mittelmeer“, antwortete der Eritreer.
Beiden haben die gefährliche Überfahrt überlebt. Beide konnten schwimmen. Beide hatten Glück.
Tausende sind jedoch im Mittelmeer ertrunken. Diese mörderische Politik verhöhnt alle Werte von Demokratie und Humanismus. Immer wieder habe ich den gnadenlosen Bundesinnenminister Horst Seehofer dafür scharf kritisiert.
Ebenso heftig ist nun mein Zorn über die Lage in Moria. Das Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel Lesbos ist diese Nacht niedergebrannt. Wer die offensichtliche Brandstiftung egangen hat, st noch unklar.
Klar jedoch ist, dass dort seit mindestens fünf Jahren unhaltbare Zustände herrschen. 12.600 Menschen lebten zuletzt in dem Lager, das für 2.800 Menschen ausgelegt war. Wegen mehrerer Corona-Infektionen wurden sie dort unter Quarantäne gestellt und durften das Gelände nicht verlassen.
Wer geflüchtete Menschen und ihre Schicksale und Traumata kennt, den packt angesichts solcher Verhältnisse die schiere Wut. Wer traumatisierte Geflüchtete in Lagern einsperrt, die möglicherweise Foltererfahrungen in Gefändnissen ihrer Herkunftsländer machen mussten, der darf sich weder „christlich“, noch „sozial“ oder „demokratisch“ nennen. Alle Regierungsparteien haben dieses elend jahrelang hingenommen und sollten jetzt lieber den Mund halten und schnell etwas tun.
Christinnen und Christen, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten vor Ort hingegen haben sich häufig sehr engagiert für Flüchtlinge eingesetzt. Sie sollten den Regierungsverantwortlichen in ihren Parteien unmissverständlich klar machen, dass sie diese Politik keine Minute mehr hinnehmen werden.
Mehr als 140 Städte in Deutschland sind bereit, Geflüchtete sofort aufzunehmen. Wenn Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel weiterhin abweisend reagieren mit der Bemerkung, damit werde eine koordinierte Aufnahme und Verteilung innerhalb Europas verhindert, dann gießen sie siedendes Öl in die Flammen der rassistischen Zerstöruungswut gegenüber der Europäischen Union (EU).
Das übergroße Entgegenkommen mancher CDU-Verantwortlicher gegenüber Rechtspopulismus und Fremdenhass ist mit verantwortlich für das Erstarken rechtsextremer Strömungen und Parteien wie der sogenannten „Alternative für Deutschland“ (AfD). Diese Appeasement-Politik gegenüber nazis ist auch mit verantwortlich für das Auseinanderfallen der EU. Nur ein klares tatkräftiges Bekenntnis zu Humanismus und Menschenrechten als „europäische Erte“ wird die EU noch retten können. Die EU rettet die Politik am besten, indem sie möglichst viele Menschen im Mittelmeer und aus Flüchtlingslagern in aller Welt rettet.