Humanismus hat Zukunft: Rette uns, wer kann!

Die „europäischen Werte“ sind geprägt von Aufklärung und Humanismus. Der „Kategorische Imperativ“ von Immanuel Kant fordert, jeden Menschen genau so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.
Der jahrelange Umgang der Europäischen Union (EU) mit Geflüchteten an ihren südlichen und östlichen Grenzen verhöhnt alle Sonntagsreden von „Europäischen Werten“ massiv. Alle Politikerinnen und Politiker, die die Seenotrettung im Mittelmeer ausbremsen und die zügige Aufnahme von Obdachlosen aus dem niedergebrannten Lager Moria behindern, machen sich – zumindest moralisch – einer Unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Wer die Aufnahme von Menschen in Not in erster Linie unter taktischen Gesichtspunkten diskutiert, ist den Anforderungen an höchste Politische Ämter nicht gewachsen und muss solche Aufgaben sofort abgeben.
Bürgerinnen und Bürger bräuchten sich nur einmal vorzustellen, sie selber säßen plötzlich ohne Dach über dem Kopf auf der Straße und hätten nichts zu essen und zu trinken. Derweil würde irgendwo darüber debattiert, die Nothilfe sei eine gemeinsame europäische Aufgabe und müsse erst ausgiebig zwischen den Regierungen der EU-Länder besprochen werden, bevor etwas geschieht. Angesichst der bislang zu beobachtenden Bereitschaft dieser Regierungen bedeutet das eine „Vertröstung“ auf den sprichwörtlichen „Sankt-Nimmerleins-Tag“.
Wären die Bewohnerinnen und Bewohner des Camps Deutsche, flögen sofort Flugzeuge los, sie heimzuholen. Allein dieser Unterscheidung kann jede interessierte Person leicht entnehmen, dass die Abwehr der Aufnahme geflüchteter Menschen ein Ausdruck von rassismus ist. Angesichts der deutschen Geschichte ist dieser rassistische Umgang mit Menschen auf dem Mittelmeer wie auch auf Lesbos ein beschämender Ausdruck von Ignoranz und fehlender Lernfähigkeit.
Nich nur Bundesinnenminister Horst Seehofer ist verantwortlich für diese menschenverachtende Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält trotz seines unhaltbaren Verhaltens immer noch an ihm fest. Auch viele Verantwortliche in der SPD haben Seehofer und seiner menschenfeindlichen „Flüchtlingspolitik“ viel zu lange die Stange gehalten.
Bereits seine Vorgänger im Innenressort haben Freiheitsrechte massiv eingeschränkt und die „Festung Europa“ gegen Geflüchtete ausgebaut. Die Spitzenbeamten in den Innenministerien sind allzu oft von xenophoben und obrigkeitsstaatlichem Denken geprägt. Hans-Georg Maaßen war da gewiss kein Einzelfall.
Wahlberechtigte müssen entscheiden, ob sie eine menschenfeindliche Politik tolerieren oder für Humanismus und christliche Werte votieren wollen. Wer Menschen irgendwo auf der Welt verecken lässt, dem kann man vollmundige Lippenbekenntnisse zu Menschlichkeit nicht ernsthaft abnehmen. Der Umgang mit der Corona-Pandemie und dem Klimaschutz verlangt nach einer entschlossenen und handlungsfähigen Politik, die das Wohl von Mensch und Natur in den Mittelpunkt rückt.
Zukunftsfähig ist nur eine Politik die das gemeinsame kulturelle und ökologische Erbe der Menschheit solidarisch zu schützen versucht. Angesichts der drohenden Gefahr weiterer Pandemien und fortschreitenden Klimawandels ist Rassismus ebenso brandgefährlich wie Untätigkeit oder auch nur jede unnötige Verzögerung. Wer das noch nicht begriffen hat, der wird untergehen wie dereinst die Dinosaurier.