Kniefall vor Faschisten: Berlin-Mitte möchte Mahnmal für Trostfrauen beseitigen

Mein Bekannter aus Korea ist sehr enttäuscht. Das Bezirksamt Berlin-Mitte kuscht vor Nazis in Japan und lässt ein Mahnmal für „Trostfrauen“ abbauen.
Lediglich die Berliner Tageszeitung „Taz“ berichtete über den unerhörten Vorgang. Sonst herrscht bei Politik und Medien in Deutschland Schweigen im Walde. In Korea jedoch fragen sich Hunderttausende, ob ihr Bild von Deutschland als einem Land, das aus seiner Geschichte gelernt hat, immer noch stimmt.
In Südkorea wird mehr über das Berliner Monument berichtet als in Berlin. Schon das dürfte den deutschen Medien ein schändliches Armutszeugnis ausstellen. Nach dem Bericht der Taz hat das Berliner Bezirksamt vermutlich auf „Hinweise“ aus dem Auswärtigen Amt (AA) reagiert, das die Beziehungen zu Japan nicht „belasten“ wollte.
Belastet werden nun aber die Beziehungen zu Südkorea und vor allem der dortigen Bevölkerung. Deutschland und auch deutsche Produkte genießen dort nicht nur wegen ihrer technischen Qualität hohes Ansehen. Die Bevölkerung der Bundesrepublik habe ihre Geschichte in vorbildlicher Weise aufgearbeitet, meinen die meisten Koreaner.
Antifaschistische und rassistische Vorfälle in Deutschland haben sie bislang noch als besorgniserregende Entwicklung wahrgenommen, der die Regierung größtenteils entgegensteuert. Auch wenn diese Sichtweise für Bundesinnenminister Horst Seehofer wohl eher nicht zutrifft, ist das doch bislang die Auffassung der meisten politisch interessierten Menschen in Südkorea gewesen. Bei ihnen genoss Deutschland schon seit Jahren ein weitaus höheres Ansehen als die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).
Im Zweiten weltkrieg war Deutschland Verbündeter Japans. Das japanische Militrä verschleppte damals Frauen aus Korea in Bordelle für japanische Soldaten und zwang sie dort zur Prostitution. Verharmlosend wurden sie „Trostfrauen“ genannt.
Das Denkmal in Berlin sollte aufjene Frauen aufmerksam machen, die 1991 den Mut fanden, trotz der drohenden Stigmatisierung auch im eigenen Land über ihr Schicksal zu berichten. Zugleich forderte das Denkmal auf, die Versklavung von Frauen als brutale und erniedrigende Form von Kriegführung weltweit zu ächten. Dieses Denkmal nun einem zweifelhaften Verhältnis zu „Japan“ zu opfern, ist schändlich und eine gefährliche Anbiederung an die immer noch aktiven faschistischen Tendenzen in Japan.
Es gibt auch ein anderes Japan. Doch offenbar sind der deutschen Außenpolitik die Ewig Gestrigen in Japans Regierung, die alljährlich zum Jasukunin-Schrein pilgern und dort der faschistischen Opfer des Zweiten weltkriegs gedenken, wichtiger als die geschichtsbewussten Japaner und die Menschen in dem von Japan damals überfallenen und unterdrückten Korea.
Menschenrechte sind universell. Dieses Bekenntnis sollte nicht nur in vollmundigen Sonntagsreden des deutschen Außenministers Heiko Maas gelten, sondern auch im Umgang mit Regierungen, die Menschenrechte missachten und geschichtliche Verantwortung leugnen.
Gerade angesichts aufkommender antisemitischer und rassistischer sowie neofaschistischer Hetze in Deutschland ist es unerlässlich, deutlich Farbe zu bekennen für das Recht aller Frauen weltweit auf Sexuelle Selbstbestimmung und gegen eine frauenfeindliche Kriegsführung wie während des Zweiten weltkriegs durch Japan. Eigenltich müssten alle Frauen Deutschlands jetzt empörte Briefe an das Berliner Bezirksamt „Mitte“ schicken und zu Protestaktionen ans Denkmal strömen; und natürlich müssten das auch alle Männer machen. Wer solch eine ignorante Politik gegen die Menschlichkeit durchsetzt, der ist eigentlich völlig fehl an seiner Stelle als Verantwortlicher für eine friedfertige Außenpolitik.