Äthiopien und Eritrea gegen Tigray: Ehrte der Nobelpreis die Vorbereitung eines Kriegs?

In Äthiopien herrscht Krieg. Die Bewohner der Hauptstadt Addis Abeba halten Wache vor ihren Häusern.
Ministerpräsident Abiy Ahmed Ali hat diese Art „Volkssturm“ angeordnet. In kleinen Gruppen stehen Nachbarinnen und Nachbarn zusammen auf der Straße und halten Ausschau nach verdächtigen Personen oder Vorkommnissen. Selbst Seniorinnen und Senioren unterliegen dieser Dienstpflicht und dürfen sich nicht „freikaufen“.
In den Medien hingegen hatte Abiy vor wenigen Tagen vollmundig verkündet, der Grieg gegen die äthiopische Provinz Tigray sei vorbei. Regierungstruppen hatten die Provinzhauptstadt Mek’ele eingenommen und kontrollieren eigenen Angaben zufolge den Flughafen, öffentliche Gebäude und die Parteizentrale der regierenden Regionalpartei TPLF.
Doch der Provinzgouverneur und Parteivorsitzende Gebredsion Gebremichael ist ebenso unauffindbar wie alle anderen wichtigen Anführer der Volksbefreiungsfront für Tigray (TPLF). Die Hauptstadt der Provinz haben sie Abiys Truppen kampflos überlassen, um sich in unwegsamere ländliche Gebiete zurückzuziehen. Von dort aus haben sie in den letzten Tagen die eritreische Hauptstadt Asmara beschossen.
Die 1977 gegründete TPLF hat Erfahrungen im Guerillakrieg. 1991 gelang es ihr gemeinsam mit anderen regionalen „Befreiungsbewegungen“, den äthiopischen Langzeitdiktator Mengistu Haile Mariam aus dem Amt zu vertreiben. Der sogenannte „Schlächter von Addis“ floh und wurde in Äthiopien in Abwesenheit wegen Folter, Mord und Unterschlagung zum Tode verurteilt.
Die seit Mengistus Sturz in Äthiopien mitregierende TPLF wurde von Abiy jedoch entmachtet. Politisch informierte Äthiopier argwöhnen, dass Abiys Aussöhnung mit dem Nachbarland Eritrea von vornherein dem strategischen Ziel gedient haben könnte, Tigray in einen Zwei-Fronten-Krieg mit der äthiopischen Zentralregirung und Eritrea zu zwingen. Jedenfalls kämpfen die einstigen Kriegsgegner nun gemeinsam gegen die TPLF. Nach zahlreichen Berichteten von – ins Nachbarland Sudan geflüchteten –
Bewohnern der Provinz Tigray sollen die Regierungstruppen dort Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung verübt haben. Auch die Vereinten Nationen (UNO) prangern in dem Bürgerkrieg vom November 2020 Kriegsverbrechen an, wobei sie beide Konfliktparteien dafür verantwortlich machen. Nach Aussagen einiger der mindestens 45.000 Flüchtlinge haben die Kriegshandlungen bereits im Frühjahr oder Sommer 2019 begonnen.
Das norwegische Nobelpreiskommitee in Oslo hätte in diesem Fall ein ernstes Problem. Für den Friedensschluss mit Eritrea hat es Abiy im Dezember 2019 den Friedensnobelpreis überreicht. Sollte diese höchste internationale Auszeichnung für Friedenspolitik möglicherweise eine strategische Kriegsvorbereitungsaktion ausgezeichnet haben?
Bei seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im April 2018 stand noch eine Mehrheit der äthiopischen Bevölkerung hinter Abiy. Diese Zustimmung bröckelte jecoh rapide, als er seinen einstigen Weggefähren Jawar Mohammed monatelang ungestraft gewähren ließ bei islamistischen Angriffen auf die christlich-orthodoxe Volksgruppe der Amhara. Möglicherweise stand dieses Zögern auch in Zusammenhang mit seinen Kriegsplänen gegenüber der TPLF.
ie nun anstehende Wahl hat Abiy mit Verweis auf die Corona-Pandemie verschoben. Dabei unternimmt seine Regierung nicht gerade viel zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus „SARS-CoV-2“. In Äthiopien mehren sich die Stimmen, die Abiy als „Schauspieler“ und egomanen Diktator kritisieren.

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