Staunend still: Gedanken an Ludwig van Beethoven

Am 17. Dezember 1770 wurde Ludwig van Beethoven getauft. Ebenso wie er stamme auch ich aus Bonn.
Seine Musik ergreift mich auf besondere Weise. Wenn ich seine Symfonien höre, laufen vor meinem inneren Auge Filme ab. Da sehe ich dann beispielsweise den majestätischen Rhein oder eine Kutsche, die den Gudenauer Weg entlangfährt zum „Jägerhäuschen“ im Kottenforst.
„Alle Menschen werden Brüder“, schrieb Friedrich Schiller in seiner „Ode an die Freude“. Beethovens Vertonung war ein bewusstes Bekenntnis zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Als „Europa-Hymne“ der Europäischen Union (EU) verbindet sie auch 250 Jahre nach der Geburt ihres Komponisten immer noch die Menschen über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg.
Beethovens Schwerhörigkeit ist eine Tatsache, die den begnadeten Komponisten zu einem wahren Mythos machte. Menschen mit Behinderungen haben seine Beeinträchtigung noch nicht genug genutzt, um auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten hinzuweisen, die manche Menschen mit einer Behinderung entwickeln müssen, um in einer Gesellschaft der Ungleichen zu überleben.
Den „Postvorsteher vom Hauptpostamt Bonn“ könnte man den Komponisten auch nennen, denn seine Statue steht auf dem Bonner Münsterplatz direkt vor dem Schaumburgschen Palais, in dem die Post residiert. Das „Beethofen-Geburtshaus“ und die remigiuskirche, wo er vor 250 Jahren getauft wurde, sind nicht nur im Beethoven-Jahr Attraktionen für Touristinnen und Touristen. Doch ausgerechnet im Jahr 2020 durchkreuzt die Corona-Pandemie die lange geplanten Feierlichkeiten erheblich.
Mitunter meine ich, das könnte dem durchaus schwierigen Freigeist vielleicht sogar recht sein. Zwar strebte auch er durchaus nach Anerkennung, aber vereinnahmen lassen wollte er sich nicht so gern. Eine Hymne für Staatsempfänge sollte seine „Ode an die Freude“ wohl auch nicht wirklich werden.
In dem nun beginnenden Lockdown haben die Menschen aber eine ganz einmalige Möglichkeit: Sie können einmal in die Stille hineinhorchen und sich ausmalen, wie Beethoven sich vielleicht gefühlt haben könnte. Seine begnadete Musik entstand ausschließlich in seinem Kopf und war damit wahrscheinlich noch genialer als die Werke des großen Johann Sebastian Bach, des ideenreichen Wolfgang Amade Mozart oder des schwermütigen Franz Schubert.