Äthiopien zittert: Europa schaut weg

In Äthiopien herrschen Terror und Angst. Die Zentralregierung bombardiert die Provinz Tigray. Durch Addis Abbeba ziehen marodierende Mörderbanden und zünden Kirchen an.
Bewaffnete Oromo-Nationalisten ziehen nicht nur in der Provinz Oromia umher, sondern auch in der Nachbarprovinz Amharia und der Hauptstadt Addis Abbeba. Sie folgen den Weisungen des islamistischen Oromo-Führers Jahwar Mohammed, der in seinem Fernsehsender die vollständige Vernichtung der Volksgruppe der Amhara gefordert hatte. Jahwar sitzt zwar im Gefängnis, doch verbreitet der machtgierige Islamist weiterhin Angst und Schrecken.
In Addis Abbeba versammeln sich orthodoxe Christen vor ihren Kirchen. Rund um die Uhr campieren sie in Zelten vor ihren Gotteshäusern. Der – zum Schutz der Kirchen angerückten – Polizei trauen sie nicht.
Rund um die Uhr stehen die Menschen vor ihren Häusern auf der Straße. Denn Terror droht nicht nur von den Anhängern des selbst erklärten IS-Gefolgsmanns Jahwar, sondern auch von der Tigray Peoples Liberation Front (TPLF). Ihr hatte der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed 2019 den Krieg erklärt und die äthiopische Provinz bombardieren lassen. Die Antwort der TPLF ist ein Guerillakrieg mit heimtückischen Bombenanschlägen auch in der Hauptstadt Addis Abbeba.
Wenn irgendwo eine Bombe explodiert und die Rettungskräfte zum Tatort eilen, explodiert dort wenigspäter ein zweiter – wesentlich stärkerer – Sprengsatz und reißt Dutzende hilfsbereiter Menschen in den Tod. So ernten die Menschen in Äthiopien die Saat der Gewalt, die Abiy perfiderweise durch den Friedensschluss mit Eritrea gepflanzt hat. Strategisches Ziel dieses „Friedens“ war offenbar der Plan, die TPLF in einen Zwei-Fronten-Krieg zu zwingen und dann zu vernichten.
Doch die – im jahrzehntelangen Guerilla-Kampf gegen den äthiopischen Diktator Heile Mariam Mengistu erfahrenen – Kämpfer der TPLF haben sich aus der Provinzhauptstadt Mekele zurückgezogen und im Busch versteckt. Vor dort aus erwidern sie die widerliche Kriegspolitik Abiys mit ebenso widerwärtigem Terror gegen die äthiopische Bevölkerung.
Doch Äthiopien leidet nicht nur unter dem Bürgerkrieg und den islamistischen Terrorbanden aus Oromia, sondern auch vor einer Heuschreckenplage und dramatischen Auswirkungen des Klimawandels. Dürre und Hunger quälen die Menschen auf dem Lande, während Gewalt und Terror die Stadtbevölkerung einschüchtert. Das Ursprungsland des Kaffees leidet unter Machtgier und Korruption, Umweltzerstörung und den Folgen des menschenverachtenden Kolonialismus, ohne selbst jemals Kolonie gewesen zu sein.
Afrika brennt. Die Menschen dort hungern. Doch die Menschen in Europa richten ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).
Wir alle leben in einer Welt. Im Zeitalter des dramatischen Klimawandels und zugleich auch der tödlichen Corona-Pandemie wird die Bedeutung der weltweiten Schicksalsgemeinschaft aller Menschen deutlicher denn je. Die egoistische Abschottung und hartherzige Ablehnung Europas können diese Menschheitsmisere nur noch schlimmer machen.