Impfen statt schimpfen: Zu Risiken und Nebenwirkungen dämlicher Debatten

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!“ Ein Medikament oder einen Impfstoff ganz ohne Nebenwirkungen gibt es wahrscheinlich nicht.
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat am Montag (15. März) empfohlen, die Verwendung des Corona-Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca vorläufig auszusetzen. Bei sieben Personen waren nach einer Impfung mit dem Wirkstoff Hirnthrombosen festgestellt worden. Drei davon waren daran verstorben.
Außerdem wurde auch ein verstärktes Auftreten von Lungenembolien gemeldet. Darum haben mehrere europäische Länder ebenso wie Deutschland die Verwendung des Impfstoffs vorerst ausgesetzt.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hingegen sieht keine Bedenken gegen den Impfstoff von AstraZeneca. Nun jammern einige darüber, dass die Vorsichtsmaßnahme des PEI die Impfkampagne und damit den „Kampf gegen Corona“ gefährde.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Würde der Wirkstoff weiterhin verimpft, würden sich wahrscheinlich viele Menschen weigern, sich überhaupt noch impfen zu lassen. Verharmlosende Äußerungen zu AstraZeneca wirken wie eine gnadenlose Durchsetzung der Kampagnenziele einer – bereits strauchelnden – Impfstrategie auch über Leichen hinweg.
Gerade erst einen Tag vor der vorläufigen Aussetzung des Einsatzes von AstraZeneca hatte die Hessische Landesregierung verkündet, die verschiedenen Impfstoffe sollten den Impfberechtigten zugelost werden. Keiner könne sich „seinen Impfstoff“ aussuchen. Diese Botschaft jedoch gefährdet die Impfkampagne viel mehr als die Aussetzungen der Impfungen mit AstraZeneca.
Vor jeder Impfung muss die betroffene Person ihre Einwilligung zu der Impfung erteilen. Diese Impfung kann sie verweigern, wenn sie nicht einverstanden ist mit dem Impfstoff, der ihr gespritzt werden soll. Rechtlich gesehen kann sich jede Person deshalb durchaus aussuchen, ob sie mit dem angebotenen Impfstoff immunisiert werden will oder nicht.
Neben der Vaccine von AstraZeneca gibt es in Deutschland auch Impfstoffe von biontech aus Mainz und von Moderna aus den vereinigten Staaten von Amerika (USA) sowie demnächst ein Produkt von Johnson & Johnson ebenfalls aus den USA. Beiden haben allen allgemein zugänglichen Informationen zufolge einen deutlich höheren Wirkungsgrad als das Präparat von AstraZeneca. Bei beiden sind deutlich weniger Nebenwirkungen bekannt.
Jede Bürgerin und jeder Bürger hat das Recht, denjenigen Impfstoff zu erhalten, der seiner individuellen gesundheitlichen Vorbelastung am besten entspricht. So kann das Produkt einer Firma für Menschen mit einer bestimmten Vorerkrankung kontraindiziert sein, wohingegen ein anderer Impfstoff unbedenklich erscheint. Darum sollten die Politiker endlich mit der Impfstoff-Bevormundung der Bevölkerung aufhören!
Allerdings sollten die Menschen nach entsprechender Prüfung auf mögliche Gefahren im Falle einer Relativierung der bisherigen Bedenken auch die Möglichkeit erhalten, das Produkt von AstraZeneca zu erhalten. Das gilt insbesondere für Leute, die bereits eine erste Dosis davon erhalten haben und die mit einer zweiten Impfung ihre Immunisierung abschließen könnten. Angesichts der Todeszahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus dürfte nämlich auch der Impfstoff von AstraZeneca wahrscheinlich ein geringeres Risiko darstellen als ein Verzicht auf die Impfung.
Am Ende wird klar, dass das Impfen nur ein Baustein bei der Bekämpfung des Coronavirus sein kann. Abstand und Mundschutz müssen so lange oberste Priorität behalten, wie das Virus weiterhin Zigtausende täglich ansteckt. Die Pandemie bleibt ein spannender – und zugleich doch ermüdender – Krimi mit immer neuen unerwarteten Wendungen, dessen tuter Ausgang lange noch nicht feststeht.

2 Kommentare zu “Impfen statt schimpfen: Zu Risiken und Nebenwirkungen dämlicher Debatten

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