Corona-Krise in Äthiopien: Wasser abgestellt und ab zur Wahl!

Vor den Wahlen wurde für 15 Tage das Wasser abgestellt. Corona verbreitet sich ungehemmt. In Äthiopien herrscht Krieg.
Am Morgen stand die Polizei vor der Tür. Sie forderte alle Hausbewohner auf, mit ihr zur Wahl zu gehen. Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed will wiedergewählt werden.
Zwei Tage sollen die Wahlberechtigten Zeit haben, ihre Stimme abzugeben. Eine bekannte Schauspielerin wollten die Polizisten zwingen, aufzustehen und mitzugehen. Seit Wochen liegt sie wegen einer Covid-19-Infektion im Bett und benötigt Sauerstoff.
Nach drei Tagen Beatmung auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Addis Abbeba war sie nach Hause entlassen worden. Bei der Entlassung beruhigten die Ärzte sie, sie sei nicht mit dem Coronavirus infiziert. Andere Krankenhäuser hatten die bekannte Filmschauspielerin gar nicht erst aufnehmen wollen, da sie fürchteten, ein Krankenhaus, das Covid-19-Erkrankte behandelt, werde aus Sorge um eine Ansteckung von allen anderen Patientinnen und Patienten gemieden.
Erst als sie wieder zuhause war, erhielt sie den Befund, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert habe. Da hatte sich nicht nur die ganze Großfamilie bereits angesteckt, sondern auch die gesamte Nachbarschaft. Als die Familie andere Nachbarn vor einem angekündigten Besuch warnte, erklärten einige, sie seien längst schon mit Covid 19 infiziert.
Doch die Regierung unter dem Ministerpräsidenten Abiyschönt die Zahlen der Infizierten. Schließlich ist das – ohnehin nur für die wenigen Wohlhabenden erschwingliche – Gesundheitssystem längst zusammengebrochen. Ein Krankenhaustag kostet – je nach Standard der Klinik – zwischen 2.500 und 5.000 Bir zuzüglich der Kosten für Medikamente und Behandlung.
Wenn ausnahmsweise einmal auf Corona getestet wird, fallen in Addis Abbeba sieben von zehn Tests positiv aus. Als die Schwiegertochter der Schauspielerin für ihre Schwiegermutter Sauerstoff für eine Heimbehandlung besorgen wollte, bekam sie mit viel Glück noch das letzte Gerät und die letzte Sauerstoff-Flasche der äthiopischen Hauptstadt. Eine Flasche Sauerstoff kostet 900 Bir; das Gerät konnte sie für 2.000 Bir mieten.
Nachdem nun für 15 Tage das Wasser abgestellt wurde, steigen die Preise für Mineralwasser. Eine große Flasche Wasser kostet inzwischen 300 Bir. Einige Regierungsbeamte hingegen haben jetzt einen 1.000-Liter-Wassertank neben ihrem Haus stehen.
Im April sind auch die ersten Impfdosen aus China und von der COVAX-Inidiative in Äthiopien eingetroffen. Neun Millionen Dosen der leicht kühlbaren Vaccine von AstraZeneca soll das afrikanische Land erhalten. Finanziert wurden sie vorwiegend von der Europäischen Union (EU) und vom deutschen steuerzahler.
Die ersten Impfungen haben – nach Familienangehörigen des Ministerpräsidenten Abiy und hohen Regierungsbeamten – wohlhabende Äthiopierinnen und Äthiopier erhalten, die dafür vermutlich tief in die Tasche gelangt haben dürften. Dabei hatten die Financiers der COVAX-Initiative bereits für den Impfstoff von AstraZeneca bezahlt!
Letztlich finanzieren deutsche Steuergelder so indirekt das korrupte und kriegstreiberische Abiy-Regime, das nun Schwerkranke zum begleiteten Gang ins Wahllokal zwingt, während es allen Menschen zuvor das Wasser abgedreht hat. Handhygiene ist damit ebenso unmöglich wie ein Votum gegen Abiy. Gleichzeitigt tob der Krieg mit Aufständischen in der äthiopischen Provinz Tigray und die Mordgier marodierenderIslamistenbanden fundamentalistischer Oromo-Nationalisten auch in derHauptstadt Addis Abbeba.Die Schauspielerin hat den Polizisten, die bis zu ihrem Krankenbettvorgedrungen waren, ins Gesicht gesagt, dass sie eher sterben wolle als fürAbiy zu stimmen. In einem Fernsehinterview wenige Wochen zuvor hatte siesich an ihre Zeit als politische Gefangene erinnert, wo sie in der Haft ihreTochter geboren hatte. Dei einstige Sängerin hatte in ihren jungen Jahrengemeinsam mit ihrer Freundin und Kollegin Miriam Makeba auf der Bühnegestanden.Äthiopien nennt sie nur „Mami“. Diese mutige alte Dame erklärt tieftraurig,dass sie selber sich Wasser und Sauerstoff leisten könnte, nicht aber dieMillionen Mitmenschen in dem durch Korruption und Krieg geknechteten Land.Der 2020 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Abiy bereichert sichsogar noch am Elend der Menschen durch die Corona-Pandemie und
führt Krieggegen die Bevölkerung des eigenen Landes. „Mami“ hingegen macht ihreVerantwortung an der Seite all derer aus, die – ohne Ansehen ihrerethnischen, religiösen und politischen – Zuordnung für Frieden und dasWohlergehen aller eintreten. Diese mutige alte Dame hätte denFriedensnobelpreis tausendmal eher verdient als der Kriegsstratege, der denFriedensschluss mitEritrea nur zur Vorbereitung des Kriegs gegen Tigray ausgehandelt hat.[end]–

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