Welcome Passica: Kein Grund zum Feiern für orthodoxe Christen in Äthiopien

Geschieht in Äthiopien derzeit ein heimlicher Völkermord? Während orthodoxe Christen dort Ostern feiern, bangen Bewohner entlegener Dörfer um ihr Leben.
Bis Freitag (7. Mai) dauert die Wahl dort noch. Ministerpräsident Abyi Ahmed möchte wiedergewählt werden. Darum kämpft der Ministerpräsident mit äußerst dubiosen Methoden.
Gleichzeitig führt die äthiopische Zentralregierung Krieg gegen die Provinz Tigray. Die Regierungspartei dieser Provinz ist zum Guerillakrieg gegen Abyi übergegangen. Zusätzlich zünden nationalistische Oromo-Islamisten christliche Kirchen an.
Waren die Anhänger des islamistischen Terroristen Jahwar Mohammed nach dessen öffentlichem Aufruf zur völligen Auslöschung der amharischen Bevölkerung zunächst nur gegen Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe in der Provinz Oromia vorgegangen, so ermordeten sie bald auch Oromo, die sich ihrem nationalistischen Islamismus entgegenstellten. Inzwischen sind Oromo-Islamisten aber auch schon in benachbarten Regionen unterwegs und ermorden auch dort vor allem Christen und Angehörige der amharischen Bevölkerung.
Oromo-Nationalisten fordern die Hauptstadt als „ureigenstes Gebiet der Oromo“ für sich ein. Die jahrtausendealte Geschichte jüdischer und die jahrhundertealte Tradition christlicher Kultur dort leugnen sie ebenso wie die Erfahrungen vieler Oromo, die seit Jahrzehnten in der Stadt friedlich zusammenlebben mit christlichen oder jüdischen Nachbarn. Vorerst aber fallen sie über entlegene Dörfer her und massakrieren dort unbewaffnete Bauern und deren Familien.
Aus amharischen Dörfern wurden kurz vor dem orthodoxen Osterfest nun unglaubliche Vorgänge berichtet, deren Wahrheitsgehalt jedoch schwer zu überprüfen ist. In den ländlichen Regionen gibt es keine Journalistinnen und Journalisten. Auch Mobilfunk und Stromversorgung sind dort oft nur rudimentär.
Beerichtet wurde aus einem amharischen Dorf, dort seien islamistische Oromo-Nationalisten in Häuser eingedrungen und hätten die Bewohner mit Macheten und Messern ermordet. Als Dorfbewohner am Ortsrand ein Polizeiauto erblickten, seien sie dorthin gelaufen, um Hilfe zu holen. Die Polizisten hätten sie jedoch zunächst verhaftet und dann erschossen.
Andere Dorfbewohner hätten das mit angesehen und daraufhin beschlossen, das Dorf zu verlassen. Über die Felder und durch die Wälder sei die gesamte Dorfbevölkerung in ein Nachbardorf geflohen. Dort hätten sich nach und nach auch Menschen aus anderen Dörfern eingefunden, die ebenfalls überfallen worden waren.
Das besonders geschützt gelegene Dorf habe man zu einer Art „Festung“ ausgebaut und sich dort verschanzt. Junge Leute bewachten die Umgebung. Bewaffnet seien sie alle nur mit Küchenmessern und anderen Haushaltsgegenständen, die als Waffe dienen können.
In der Hauptstadt Addis Abbeba indes bewachen Christen ihre Kirchen. Dorthin trauen sich die mordenden Oromo-Banden aber noch nicht, weil dort die Botschaften ausländischer Staaten der Bevölkerung einen gewissen Schutz bieten. Nachts indes traut sich keiner mehr aus dem Haus.
„Tagsüber Polizist, nachts Terrorist“, sagt ein amharisches Sprichwort über die korrupte Polizei. Die – laut regierungsamtlicher Statistik zweitgrößte –
Bevölkerungsgruppe Äthiopiens fühlt sich angesichts der Schilderungen ihrer amharischen Bekannten aus den ländlichen Regionen unweit der Hauptstadt an Berichte vom Völkermord in Ruanda erinnert. Ministerpräsident Abyi beziechnet sie als „Schauspieler“, der westlichen Geldgebern jahrelang Demokratie vorgetäuscht habe, um mit Hilfe des Friedensschlusses mit dem Nachbarland Eritrea den Bürgerkrieg in der äthiopischen Provinz Tigray vorzubereiten.
Während des wahlkampfs wurden Strom und Wasser sowie Telefon immer wieder abgeschaltet. Polizeibeamte bedrängen die Bevölkerung, selbst mit einer aktiven corona-Infektion wählen zu gehen. Viele bezweifeln die offiziellen Statistiken zur Pandemie, nachdem in manchen Straßen die gesamte Nachbarschaft vollständig erkrankt ist, aber kaum jemand medizinische Hilfe in Anspruch genommen hat.
Sauerstoff wird knapp und teuer. Auch die Preise für Lebensmittel steigen ständig weiter an. Angst macht sich breit in Addis Abbeba.
Manche Menschen in der Hauptstadt hoffen, nach der Wahl werde alles wieder besser. Dass Abyi sie gewinnen wird, auf welche Weise auch immer, daran zweifelt niemand. Aber manche befürchten, dass er nach einer Wiederwahl noch härter und diktatorischer regieren könnte als bislang, wo er zumindest nach außen den Schein der Demokratie wahren wollte.
Das orthodoxe Osterfest ist in Äthiopien kein ungetrübter Tag der Freude. Der Osterwunsch „Welcome Passica“ mag darum ergänzt werden um den amharischen Gruß „Salam“, was nichts Anderes bedeutet als „Frieden“.

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