Abiys Äthiopien: Entfesselter ethnischer Islamismus, Corona, Klimakatastrophe und Krieg

Das Nobelpreiskomitee hat Abiy Ahmed aufgefordert, den Krieg in Tigray zu beenden. So was hat es vorher noch nie getan.
Grundsätzlich verfolge das Komitee nicht, was die Nobelpreisträger hinterher tun. Im Fall des äthiopischen Premierministers habe es aber einmal eine Ausnahme gemacht, erklärte das norwegische Nobelpreiskomitee.
Die Vereinten Nationen (UNO) und Amnesty International (AI) machen Abiy für Kriegsverbrechen wie systematische Folter und Vergewaltigungen als Kriegsführungsstrategie verantwortlich. Trotz des Hungers und einer Heuschreckenplage sowie der grassierenden Corona-Pandemie hat Abiy die – von der mittlerweile oppositionellen – TPLF regierte Provinz angegriffen. Viel spricht dafür, dass der 2020 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Friedensschluss mit Eritrea von vornherein vor allem dem Ziel gedient hat, Tigray danach mit einem Zwei-Fronten-Krieg in die Zange nehmen zu können.
Die Freilassung von Oppositionellen aus der Haft hat Abiy am Montag (10. Januar) als großmütige Geste der Demokratie inszeniert, obwohl auch sie einen perfiden Plan verfolgt: Unter den freigelassenen befindet sich auch Abiys einstiger Mitstreiter Jahwar Mohammad, der dem Islamischen Staat (IS) Gefolgschaft geschworen und auf seinem eigenen Fernsehkanal zur vollständigen Ausrottung der Volksgruppe der Amharen aufgerufen hat. Jahwars islamistische Oromo-Milizen morden seit Monaten Christen in der Provinz Orominia und stecken christliche Kirchen in Brand.
Nun fürchten orthodoxe Christen in Äthiopien eine Verschärfung dieses ethnisch und religiös unterfütterten Konflikts. Gleichzeitig rollt die zweite große Corona-Welle über das Land hinweg, bei der sich zuvor bereits erkrankte Menschen nun mit der Omikron-Mutante anstecken. Impfstoff ist in Äthiopien ebenso rar wie eine gute medizinische Versorgung, die selbst eine seltene DNA-Sequenzierung der Krankheitserreger völlig utopisch erscheinen lässt.
All diese Probleme nutzt Abiy nach Einschätzung kritischer Geister, um seine Macht durch eine Spaltung der Gesellschaft zu festigen. Wer unter Dürre, Heuschrecken, Hunger, Krieg und Corona leidet, der hat den Kopf kaum frei für Kritik an dem skrupellosen Machthaber mit dem trügerischen Nobelpreis-„Heiligenschein“!
Derweil haben auch Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) eigene Probleme mit der fünften Corona-Welle. Da bleibt wenig Mitgefühl übrig für die Menschen im fernen Äthiopien. Darum war die ausnahmsweise Aussage des Nobelpreiskomitees in Oslo wenigstens ein kleiner Lichtschimmer in einer düsteren Situation.