Im Gedanken an Erdmuthe: Wir beten für Frieden

Die Welt ist aus den Fugen geraten. In Gedanken spreche ich darüber mit meiner verstorbenen Ehefrau Erdmuthe.

Liebe Erdmuthe, Du hättest mit mir gemeinsam demonstriert gegen Atomkraft nach dem Supergau am 11. März 2011 in Fukushima. Du warst immer eine Gegnerin der Atomenergie.
Als Gründungsmitglied des BUND für Umwelt und Naturschutz Marburg hast Du Dich jahrzehntelang für Artenschutz und Biodiversität engagiert. Du kanntest alle Vogelstimmen, Schmetterlinge und Käfer sowie die allermeisten Pflanzen auf Wald und Wiesen. Als mich auf dem Frauenberg eine Wespe gestochen hatte, hast Du Dich kurz umgeschaut und mir die Einstichstelle dann mit Spitzwegerich eingerieben, wodurch nach wenigen Minuten nichts mehr von dem Stich zu bemerken war.
Auf dem Christenberg haben wir Blaubeeren und im Wald hinter der „Heiligen Eiche“ am Sonnenblick wilde Brombeeren und Erdbeeren gesammelt. Stundenlange Wanderungen durch die Natur haben wir im elnhäuser Grund oder von Niedeerwalgern über den Berg hinüber zur Schmelzmühle unternommen. Dein Auto hast Du abgeschafft und später auch die Fahrgemeinschaft aufgekündigt, um Deinen Weg zur Arbeit klimagerecht zu bewältigen.

Bei vielen Reisen in zahlreiche Länder hast Du Dich mit der jeweiligen Kultur vertraut gemacht. Nirgendwo bist Du hingereist, ohne die jeweilige Landessprache zweise zu beherrschen. So hast Du insgesamt 14 Sprachen mehr oder weniger gut verstanden und gesprochen.
Die sogenannte „Flüchtlingskrise“ 2015 hast Du nicht mehr miterlebt. Die gnadenlose Unmenschlichkeit europäischer Grenzpolitik auf dem Mittelmeer hätte Dich sehr stark betrübt oder sogar auch geärgert. Deine christlichen und humanistischen Werte hast Du immer gelebt, so gut Du konntest.
Jahrelang hast Du Geld für das Programm „Ferien vom Krieg“ des Grundrechtekommitees gespendet. Den Krieg im Jemen und in Syrien hast Du nicht mehr miterleben müssen ebenso wie jetzt den verbrecherischen Krieg in der Ukraine. Dir ist es erspart geblieben, all das miterleben zu müssen, was mich heute schockiert.
wenn Du nun – wie ich es mir in kindlicher Manier vorstellen möchte – als Engel von Deiner Wolke im Paradies auf diese Welt niederblickst, dann ergreift Dich das Mitleid mit uns Zurückgebliebenen und die Trauer darüber, dass wir es nicht besser gemacht haben in diesen Jahren Deiner Abwesenheit. Diese Vorstellung ermutigt mich dazu, das wenigstens zu versuchen. Dein Lebenswerk möchte ich weiter fortführen und mich ebenso, wie Du es zeitlebens gemacht hast, einsetzen für Frieden, Soziale Gerechtigkeit und den Schutz der Natur.
Hab Dank dafür, dass Du mich fast 19 Jahre lang begleitet und geleitet hast und mich weitrhin anregst zu mehr mut für Veränderungen im Kleinen und Großen! Hab Dank für Deine Liebe! Ich möchte ein wenig davon weitergeben an andere und damit zugleich auch zurück an Dich, die Du leider nicht mehr eingreifen kannst in dieses fürchterliche Weltgeschehen!