Stillos: Wenn andere unter eigenen Fehlern leiden

Leider vermisse ich bei vielen Menschen Stil. Gruß- und wortlos laufen sie aneinander vorbei und kümmern sich kaum um Andere.
Der mangelnde Stil ist oft ein Ergebnis eingeübter egoistischer Egozentrik. Der neoliberal geprägte Utilitarismus macht Menschen für Andere nur dann interessant, wenn sie ihnen etwas zu bieten haben. Ansonsten laufen sie an ihnen vorüber und grüßen sie nicht einmal.
Auf Mails bekommt man oft nicht einmal eine Antwort. Fehler werden entweder gar nicht eingestanden oder mit der lapidaren Anmerkung „So was passiert halt“ abgetan. Dass diese Fehler anderen Menschen das Leben unnötig erschwerden, ist den Verursachern dieser Belastungen oft nicht einmal eine Entschuldigung wert.
Früher war das meist anders: Wer einen Fehler gemacht hat, musste sich dafür wortreich entschuldigen. Den Fehler-Verursachern war das merklich peinlich.
Sicherlich waren die alte Höflichkeit und der damit einhergehende Stil nicht immer Ausweis solidarischen Umgangs mit den Mitmenschen, aber die Fehlerkultur war doch von mehr Vorsicht und Rücksicht geprägt. Den meisten war damals klar, dass eigene Fehler Folgen für andere Menschen haben können. Das tat den allermeisten wirklich ehrlich leid, wenn ihnen ein Fehler unterlaufen war.
Natürlich sind die Bemerkungen, dass „früher alles besser“ gewesen sei, nicht wirklich hilfreich. Doch der Hinweis darauf, das s häufig andere für die eigenen Fehler „bluten“ müssen, sollte doch einen etwas zerknirschteren Umgang auslösen. Wenn ich unter dem Fehler anderer Leute leide, macht mich das zusätzlich wütend, wenn sie sich nicht mal dafür entschuldigen.