Interessant und investigativ: Happy Birthday, Spiegel!

Jahrzehntelang war „Der Spiegel“ für mich der Inbegriff des investigativen Journalismus. 1986 habe ich sogar einmal einen Text für das Hamburger Nachrichtenmagazin verfasst. Wiedergefunden im Blatt habe ich von meinem Manuskript über den dubiosen Konkurs des Heidenheimer Busunternehmers Wilhelm Wahl zwar kaum etwas, aber das Honorar von 500 D-Mark war damals nicht nur für einen Berufseinsteiger durchaus üppig.
„Der Spiegel“ feiert heute Geburtstag. Die erste Ausgabe des Wochenmagazins unter der Leitung seines langjährigen Herausgebers Rudolf Augstein erschien am 4. Januar 1947 noch in Hannover. Weiterlesen

Nachdenken nach Pöbeleien in Dresden: Weniger Aufmerksamkeit für Schreihälse!

Die lautesten Schreihälse ernten die meiste Aufmerksamkeit. Das ist das Erfolgsrezept von Donald Trump ebenso wie das der sogenannten „Alternative für Deutschland“ (AfD) und ihrer außerparlamentarischen Gesinnungsgenossen von „Pegida“. Bei den Feiern zum „Tag der deutschen Einheit“ am Montag (3. Oktober) in Dresden ging diese Strategie dank pöbelnder Beschimpfungen der angereisten Politiker durch eine rassistische Meute einmal mehr ziemlich erfolgreich auf.
Seriöse Nachrichtenredaktionen sollten sich allerdings überlegen, wie sie ihre Aufmerksamkeit gerechter verteilen. Zwar kann man die Lautsprecher von AfD und Pegida nicht einfach ignorieren, doch sollte man ihnen die nachdenklicheren Vertreter der leisen Töne in angemessener Weise gegenüberstellen. Weiterlesen

Da stimmt was nicht: Zur Berichterstattung über die Abstimmung in Griechenland

Heute ist der Tag der Wahrheit: Die Griechen stimmen über das „Rettungspaket“ der drei „Institutionen“ ab. Damit entscheiden sie darüber, ob sie sich deren Erpressung beugen oder die Aushebelung der Demokratie durch neoliberale Hardliner akzeptieren.
Einseitige Meinungsmache bis hin zu regelrechter Hetze wurde dazu in vielen bundesdeutschen Medien betrieben. Die griechische Regierung wurde dargestellt, als handele es sich um unreife Jugendliche. Über die Armut der Bevölkerung wurde zwar berichtet, ihre Ursachen dabei jedoch meist ausgeblendet. Weiterlesen

Fluch u49525: Absturz des Journalismus nach Totschweigen des Problems Suizid

Medienschelte ist zur Zeit schwer in Mode. Sie ist wohlfeil und häufig völlig losgelöst von jeglicher Kenntnis der realen Bedingungen in den Medien. Die schlimmsten Auswüchse gipfeln in dem Wort „Lügenpresse“ und einem geradezu hysterischen Hass auf alles, was sich „Medien“ nennt.
Selbstkritik der Journalistinnen und Journalisten ist allerdings umso wichtiger, als die grassierende Medienschelte reale Aufhänger hat. Zudem kann niemand besser werden, der das eigene Handeln nicht wenigstens hin und wieder kritisch hinterfragt. Weiterlesen

Journalismus im Wandel: Qualität geht nicht nach der Mode

„Die Mode ist so schrecklich, dass sie jedes halbe Jahr durch eine andere ersetzt werden muss“, meinte der spitzzüngige britische Autor Oscar Wilde einmal. Mit den Moden aber rennen Heerscharen von Menschen bald hierhin und bald dorthin, um nur ja nichts zu verpassen.
Auch im Journalismus werden mindestens im Halbjahrestakt neue Trends ausgemacht. Jeder, der in dieser Branche etwas auf sich hält, erklärt diese oder jene alte Weisheit für überholt und eine ganz neue Wahrheit für unumstößlich. Der Journalismus von morgen sehe ganz anders aus als der von heute, warnen viele Publizistik-Propheten mit ernster Miene. Weiterlesen

Knüppel aus dem Sack: Wie der Journalismus auf den Polizeihund gekommen ist

Das Szenario kennen wir schon zur Genüge aus Frankfurt. Vor größeren Demonstrationen prognostiziert die Polizei Gewalt. Hinterher behält sie damit auch recht.

Fraglich ist allerdings, von wem die Gewalt ausgegangen ist und ob diese „Self Fullfilling Prophecy“ nicht möglicherweise mit willigen Helfern erreicht wurde, die die Polizei oder der Verfassungsschutz dafür bezahlt hat? Fraglich ist zudem, ob nicht die Polizei die Demonstrierenden in Situationen hineingedrängt hat, die ihnen eine gewaltfreie Fortsetzung der Demonstration verunmöglicht haben?

So mag es wohl auch am Samstag (21. Dezember) in Hamburg gewesen sein. Doch allzu unkritisch sprachen Journalisten hinterher von „gewaltbereiten aus der linken Szene“, von „Randalierern“, von „Krawallen“ oder „schweren Ausschreitungen“.

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Nicht in Stein gemeisselt: Journalismus ist aktuelles Tagesgeschäft

Journalismus ist ein schnelllebiges Geschäft. Aktuelle Texte werden meist unter Zeitdruck erstellt. Doch die Leserschaft meint mitunter, die Artikel müssten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

Selbst von Berichten über aktuelle Ereignisse erwarten einige Leser, dass die Journalisten die Hintergründe des jeweils behandelten Themas intensiv recherchiert haben. Auch Dinge, die in der Veranstaltung selbst niemals zur Rede kamen, müsse der Journalist in seinem Bericht widerspiegeln.

Würden Journalisten so arbeiten, gäbe es keine Tageszeitungen und keine aktuellen Nachrichten. Weder im Printbereich, noch in Radio und Fernsehen oder im Internet ist eine zeitnahe Berichterstattung über aktuelle Ereignisse unter solchen Bedingungen möglich.

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