Aufstieg und Fall: Aufrichtige Geburtstagsgratulation für einen ganz großen Geist

„Wer kämpft, kann auch verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Der Autor dieser wichtigen Weisheit wäre heute 120 Jahre alt geworden.
Gerade diesen Spruch habe ich mir zum Motto meines politischen Engagements gemacht. Das Leben und Wirken seines Autors Bertolt Brecht zeiggt auf eindrucksvolle Weise, dass mancher Erfolg politischen Engagements sich erst viel später einstellt, als man gehofft hatte, und dass er mitunter auch ganz andere Formen annehmen kann als erwartet.
Eugen Berthold Friedrich Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Der Dichter, Dramatiker und Regisseur starb am 14. August 1956 in Ost-Berlin.
Mir begegnete Brecht in der Schule. Im Deutschunterricht lasen wir sein stück „Mutter courage und ihre Kinder“ sowie seine Kurzgeschichte „Der kaukasische Kreidekreis“. Dank meines hervorragenden Deutschlehrers habe ich die große Genialität dieses Autors sofort wahrnehmen können.
Später habe ich die „Mutter Courage“ in der Inszenierung von Klaus Peymann mit Carmen Maja Antoni in der Hauptrolle im Berliner Ensemble gesehen. Wir waren bei der 2345. Aufführung oder vielleicht auch der 2468. Vorstellung der Inszenierung. Antoni war an diesem Abend ganz besonders gut.
Im BE am Schiffbauerdamm hatte ich zuvor auch schon Brechts „Flüchtlingsgespräche“ in einer Inszenierung von Peymann gesehen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei die Sequenz über die Wichtigkeit eines Passes, ohne den ein Mensch ein Niemand ist. Aus eigener Erfahrung wusste Brecht nur zu gut, dass ein Pass über Leben und Tod bestimmen kann.
Vom Hessischen Landestheater Marburg sind mir gelungene Inszenierungen des „Baal“ und der „Dreigroschenoper“ sowie von „Der gute Mensch von Sezuan“ und „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonni“ in guter Erinnerung geblieben. Vor Allem aber schätze ich auch Brechts Gedichte und Lieder, die zum Teil zu echten Klassikern geworden sind.
Wie gekonnt Brecht das Semantische Quadrat umgesetzt hat, zeigt Das Lied von der Moldau aus dem Jahr 1944 ebenso wie ungezählte weitere Gedichte und Liedexte beispielsweise in der „Dreigroschenoper“. Brecht hat seine politischen Anliegen und das dialektische Denken scheinbar mühelos in formvollendete Verse gebracht.
Seine sozialistische Überzeugung war dabei der Motor für die „Lehrstücke“, mit denen der Dramatiker und Dichter die Welt verändern wollte. Für seine Überzeugung musste er vor dem Hitler-Faschismus ins Exil fliehen. Für genau die gleiche Überzeuung musste er vor Joseph McCarthy´s inquisitorischen „Ausschuss für antiamerikanische Aktivitäten“ aus dem Exil in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) in die Schweiz flüchten.
Auch in der DDR war der wache Geist des aufrechten Demokraten bald lästig, wenngleich sich Brecht nur sehr vorsichtig äußerte. Vor Allem seine Haltung zum Aufstand am 17. Juni 1953 kostete ihn viele Sympathien, wurde doch sein Solidaritätsbrief an den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht nur in Teilen veröffentlicht, wobei seine Aufforderung zu solidarischen Gesprächen mit der arbeitenden Bevölkerung über deren berechtigte Kritik geflissentlich unterschlagen wurde. Später wurde seine Äußerung bekannt, wonach er der Regierung vorschlug, sie solle sich doch „ein anderes Volk suchen“, wenn das Volk mit ihr unzufrieden sei.
Über Brechts Verhälgnisse ließe sich vieles sagen oder schreiben. Vielfach waren seine Liebschaften zugleich Arbeitsbeziehungen, denen die Nachwelt großartiges verdankt. Dass der „Stückeschreiber“ die Frauen dabei nicht immer fair behandelt hat, ist die dunkle Kehrseite der strahlenden Rolle Brechts als bedeutendster deutschsprachiger Dramatiker des 20. Jahrhunderts.
Brecht hat das Theater der letzten 80 Jahre nachhaltig beeinflust. Ihn beeinflusst hat vor Allem der Komiker Karl Valentin. Ihm verdankt Brecht die Idee für seinen „Verfremdungseffekt“ oder kurz „V-Effekt“.
Brecht, der bei der Verfilmung von Valentins „In der Fremde“ Regie führte, formulierte diesen V-Effekt so: „Wir weinen über die Lachenden und wir lachen über die Weinenden. “ Genau das zeigen beispielsweise seine „Geschichten vom Herrn K.“ deutlich.
Für mich gehört Brecht zu den größten Dichtern deutscher Sprache. Ich setze ihn auf eine Ebene mit Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Heinrich Heine. Was mir an Brecht am bsten gefällt, ist seine Forderung, dass Literatur einen moralischen Nährwert haben muss.

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