Und das ist Chile: Am 11.9.1973 putschte Pinochet

„Und das ist Chile in einem Wort: Ein Mann filmt seinen Mörder beim Mord!“ In einem Lied beschrieb Wolf Biermann einen Film aus dem südamerikanischen Land.

Am 11. September 1973 hatten Militärs unter Führung von General Augusto Pinochet dort gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende geputscht. 17 Jahre lang blieb das mörderische Militärregime an der Macht. Mehr als 3.000 Menschen mussten für ihre Überzeugung sterben; von Tausenden fehlt immer noch jede Spur.

Zusammengepfercht wurden sie im Estadio de Chile. Heute trägt dieses Stadion den Namen des Sängers Victor Jara. Auf bestialische Weise wurde der berühmte Musiker dort ermordet.

Damit er nie wieder Gitarre spielen konnte, wurden ihm zunächst die Finger gebrochen. Dabei sollte er singen.

Aus vollen Kräften sang er das Lied „Venceremos“. Es war die Hymne der „Unidad Popular“. Im Stadion entstand sein letztes Gedicht „Wir sind Fünftausend“.

Am 19. September 1973 wurde Jara von Maschinengewehrsalven erschossen. Am 9. Dezember 2004 erhob derRichter Juan Carlos Urrutia in Santiago Anklage gegen den pensionierten Obersten Mario Manríquez Bravo. Zwei weitere Mörder Jaras werden immer noch mit Internationalem Haftbefehl gesucht.

„Der Kameramann zielt genau auf den Mann. Der Mann legt genau auf die Kamera an. Dann wackelt das Bild; der Film reisst ab. Das ist, was ich gesehen hab.“

Der Film, den Biermann in seinem Lied beschrieben hat, ging damals um die Welt Auch die Geschichte von Jahras Schicksal im Stadion von Chile habe ich bereits als Gymnasiast gehört.

In der Schule legte uns ein Lehrer Dokumente vor, die bereits vor dem Putsch veröffentlicht worden waren. Daraus ging hervor, dass der US-Konzern „United Frouit Company“ eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung der Machtübernahme gespielt hatte.

Ebenfalls belastet wurde der US-Außenminister Henry Kissinger. Den Dokumenten zufolge hatte er vorher von den Plänen des chilenischen Militärs gewusst.

1987 habe ich die einstige Marburgerin Beatriz Brinkmann interviewt. Ein Jahr lang war sie in einem chilenischen Gefängnis eingesperrt und gefoltert worden. Ihre Freilassung hatte seinerzeit der CDU-Politiker Heiner Geißler erwirkt.

Wann immer ich den Namen Pinochet höre, packt mich das Grauen. Umso größer war meine Genugtuung, als ich erfuhr, dass er am 19. Oktober 1998 bei einer Reise nach Großbritannien verhaftet worden war. Während er dort unter Hausarrest stand, besuchte ihn die ehemalige britische Premierministerin Margret Thatcher, die ihm freundschaftlich verbunden war. Trotz Anklagen meherer Länder wegen Folter, Mordes und Völkermords ordnete der britische Außenminister Jack Straw am 2. März 2000 Pinochets Freilassung aus gesundheitlichen Gründen an.

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