Ein Leuchtfeuer für Frieden und Soziale Bürgerrechte: Zum 2. Todestag von Horst-Eberhard Richter

Am 19. April 2010 hat die Humanistische Union (HU) ihm das Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte überreicht. Am 19. Dezember 2011 ist Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter im Alter von 88 Jahren gestorben.

Nicht nur als Arzt und Psychiater war Richter für viele ein Vorbild; auch in der Friedensbewegung hat er bleibende Spuren hinterlassen. Er war Mitbegründer der deutschen Sektion der Internationalen Ärztevereinigung gegen den Atomkrieg (IPPNW), die 1985 den Friedensnobelpreis erhalten hat. Er gehörte zu denjenigen, die den Nobelpreis damals in Oslo in Empfang genommen haben.

Zum ersten Mal bin ich Richter Anfang der 80er Jahre bei einem Friedenskongress in Köln begegnet. Mehrere Male habe ich ihn danach wiedergetroffen. Meist waren es Vortragsveranstaltungen in Marburg, bei denen Richter über die Psychologie von Krieg und Gewalt gesprochen hat.

Kriegstraumata vererben Eltern an ihre Kinder. Das hat Richter ebenso herausgefunden wie die Tatsache, dass das Handeln von Staaten bei Konflikten nahezu den gleichen psychologischen Regeln folgt wie das Verhalten einzelner Menschen. Schließlich sind es Menschen, die auf staatlicher Ebene Politik machen.

Bereits 2009 war Richter für das Leuchtfeuer vorgeschlagen worden. Nach einer ungeschriebenen Regel war in diesem ungeraden Jahr aber eine weibliche Preisträgerin an der Reihe. Deshalb nahm Sabriye Tenberken den Preis damals in Empfang.

Ein Jahr später jedoch erhielt Richter das Marburger Leuchtfeuer. Es war eine Ehre für mich, die Gäste der Feierstunde im Historischen Saal des Marburger Rathauses im Namen der Humanistischen Union (HU) zu begrüßen.

Die Preisverleihung 2010 ist – ebenso wie die Verleihungen der folgenden und einiger vorangegangener Jahre – ausführlich auf der Internetseite www.marburger-leuchtfeuer.de dokumentiert. Es war die letzte Preisverleihung, an der meine Ehefrau Erdmuthe Sturz noch teilgenommen hat. Sie war eine glühende Bewundererin Richters.

Hervorgetan hat er sich auch durch ein Projekt für Obdachlose in Gießen. Mutig fand ich seine Entscheidung, das Bundesverdienstkreuz wegen der vielen nationalsozialistisch belasteten Träger abzulehnen.

All das wurde während der Feierstunde 2010 angesprochen. Die Laudatio hielt damals Richters Schüler und Kollege Burkhard Brosig.

Gut erinnere ich mich noch an das zwanglose Gespräch im Café Vetter im Anschluss an die Feierstunde im Rathaus. Es war meine letzte Begegnung mit Richter.

Gerne denke ich an diesen bewundernswürdigen Menschen zurück. Immer wieder bin ich froh, dass ich an den Verleihungen des Marburger Leuchtfeuers teilnehmen und damit herausragende Leistungen für Soziale Bürgerrechte würdigen kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s