Schwarzer Peter und Nikolaus: Knüppel aus dem Sack!

Alle Jahre wieder diskutiert Holland rund um den Nikolaustag herum heftig über die Figur „Zwarte Piet“. Bei uns im katholischen Rheinland gab es den „Schwarzen Mann“ allerdings auch. Er hieß „Knecht Ruprecht“ oder „Hans Muff“.
Als ich klein war, war der heilige Nikolaus für mich ganz groß. Genauso groß war indes auch meine Furcht vor seinem Begleiter. Während Nikolaus die Geschenke verteilte, verteilte Knecht Ruprecht damals nämlich die Prügel.
Die damalige Erziehung mit Zuckerbrot und Peitsche kann man kaum besser veranschaulichen als mit diesem ungleichen Paar: Der freundliche alte Mann mit dem weißen Rauschebart in seinem roten Kapuzenmantel lässt Kinderherzen höher schlagen, wohingegen sein mit Ruß beschmierter schwarz gekleideter Geselle im Hintergrund mit dem Rohrstock droht. Ein Schaudern packte mich seinerzeit, wenn die beiden den Schulhof betraten und zu uns ins Klassenzimmer kamen.
Benutzt hat Knecht Ruprecht seinen Stock damals nie. Geschenke bekommen haben damals alle Kinder. Aber das ängstliche Schaudern gehörte zu der Aufführung am Nikolaustag dazu wie die Sorge, der heilige Mann könnte vielleicht doch eine kleine Sünde in seinem Goldenen Buch verzeichnet haben, die den Rohrstock statt des Spekulatius zum Vorschein bringen könnte.
Sicherlich sind wir heute weiter. Debatten über „Angstfreie Erziehung“ muss heutzutage kaum noch jemand ernsthaft führen, so klar ist Allen die Erkenntnis, dass man Kinder nicht einschüchtern und schon gar nicht prügeln soll.
Sicher ist heute auch, dass Menschen mit dunkler Haut nicht automatisch böse sind und Klischees wie das vom „Schwarzen Mann“ nicht gut sind. Dennoch beschleicht mich ein gewisses Unbehagen, wenn ich manche Debatte um „de Zwarte Piet“ verfolge. Mitunter scheint mir, die Menschen erhöben die Kritik an einer alten Tradition weitaus höher als die Kritik an den Ungerechtigkeiten in der Welt.
Statt sich beim „politisch korrekten“ Schwarzer-Peter-Spiel zu ereifern, sollte man vielleicht einmal darüber nachdenken, wie Afrika immer noch an den Rand gedrängt wird durch die Politik gerade jener Europäischen Union, die sich arrogant über ihre kolonialistische Vergangenheit erhebt und weiterhin Waffen in alle Welt liefert, wo sie billig Rohstoffe einkauft und Waren auf Kosten der Menschen dort und ihrer Gesundheit produzieren lässt. Nicht der „Zwarte Piet“ ist das Problem, sondern die anhaltende Ausplünderung der sogenannten „Dritten Welt“ durch die einstigen Kolonialmächte.

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