Normalität ade: Der Impfstoff kommt, Corona bleibt

Hinterher sind alle klüger. Manche behaupten aber, sie hätten´s schon vorher besser gewusst.
Un -August 2020 hatte die EU-Kommission 1,5 Milliarden Impfstoffdosen verschiedener Hersteller bestellt. Damals war noch nicht klar, welcher Hersteller übehrhaupt einen Impfstoff an den Markt bringen kann, der wirksam ist und eine Zulassung erhält. Als sich erste Erfolge abzeichneten, hat die EU im November 2020 nachbestellt.
Die Großbestellung für alle Mitgliedsländer hat den preis der Impfstoffe deutlich gedrückt. Gerüchten zufolge hat die israelische Regierung für den Impfstoff von Biontech annähernd doppelt so viel bezahlt wie die EU. Auch den Impfstoff von Moderna hat die EU bereits im November bestellt.
Beide Impfstoffe weisen Studien zufolge eine Wirksamkeit von über 96 Prozent auf. astrazeneca erreicht hingegen nur 73 sowie Johnson & Johnson sogar nur 67 Prozent. Zudem ist die Vaccine von Astrazeneca bei Personen über 65 Jahre anscheinend noch weniger wirksam als bei Jüngeren.
Die Herstellung von Medikamenten ist ein überaus komplexer Prozess, der sehr viel Wissen und Sorgfalt voraussetzt. Die Lieferung der benötigten Ausgangsprodukte in den gigantischen Mengen der aktuellen Impfstoffproduktion ist ein noch größeres logistisches Problem als die Auslieferung eines auf -70 Grad Celsius gekühlten Medikaments in die ganze Welt. All das sind gigantische >Herausforderungen, die in der derzeitigen Debatte häufig beiseite geschoben werden.
Wenn Landesregierungen in Deutschland nun über mangelnden Impfstoff klagen, so äußern sie die berechtigte Kritik der Bevölkerung, Dafür jedoch die EU verantwortlich zu machen, ist purer Wahlkampf. Wenn weltweit mehr als 6 Milliarden Menschen einen Impfstoff benötigen, dann ist die Belieferung der Impfzentren in Deutschland immer noch skandalös privilegiert gegenüber den Ländern Afrikas oder Lateinamerikas.
Privilegien für Geimpfte einzufordern, ist ebenfalls kurzsichtig und dumm. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind auch Geimpfte zumindest vorübergehend immer wieder infektiös, da der Impfstoff im Blut und im Organismus wirkt, nicht aber im Rachenraum. Auch Geimpfte sollten also weiterhin einen einfachen Mundschutz tragen.
Notwendig ist auch, die zweite Impfung möglichst vieler Menschen abzuwarten, bevor man sich von einer Impfung stärkere Schutzeffekte für die Bevölkerung erwarten kann. Dafür wäre es wichtig, über den Sommer hinweg möglichst viele Impfwillige mit der Vaccine zu spritzen.
Unklar ist zudem, wie lange die Wirkung des Impfstoffs anhalten wird. Möglicherweise muss die Impfung jedes Jahr wiederholt werden. Vielleicht muss der Impfstoff auch von Jahr zu Jahr verändert und an immer wieder neue Mutationen der bereits bekannten Mutationen des Coronavirus angepasst werden.
Corona wird der Welt warhscheinlich noch über Jahre hinweg erhalten bleiben. Impfen wird zu einem lebenswichtigen Ritual werden; und die einstige „Normalität“ des Prä-Corona-Zeitalers wird niemals wieder zurückkehren.