Ich habe einen Traum: 50 Jahre nach dem Marsch auf Washington

„Ich habe einen Traum, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und Hautfarbe in Frieden miteinander leben.“ Seine bewegende Rede von einem etwas anderen „Amerikanischen Traum“ hat Martin Luther King beim Marsch auf Washington am 28. August 1963 vor gut 250.000 Demonstrierenden gehalten.

Auch ich habe einen Traum. Ich habe den Traum, dass auch heute wieder mutige Menschen einen Marsch in die Zentren der Macht unternehmen und dort so bewegende Reden halten wie vor 50 Jahren der Baptistenprediger in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Wieder und wieder ist mir Kings Rede in meinem Leben begegnet. Wieder und wieder hat sie mich berührt und aufgerüttelt.

Bekannt war mir der Bürgerrechtler bereits in meiner frühen Jugend. Als er am 4. April 1968 ermordet wurde, war auch ich geschockt wie so viele andere Menschen in meinem Umfeld. King verkörperte für uns die Hoffnung auf eine gerechtere Welt ohne Rassismus und Diskriminierung.

King hatte diesen ermutigenden Traum, Für diesen Traum hat er 1968 sterben müssen.

Ein Alptraum hat sich zwischenzeitlich breit gemacht im Mutterland der modernen Demokratie. Die National Security Agency (NSA) tritt die Bürgerrechte und das Recht auf Privatheit mit Füßen.

Geradezu pervers mutet es an, dass der Präsident, der dieses Vorgehen zu verantworten hat, das erste dunkelhäutige Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ist. So dürfte King sich die ersehnte Gleichberechtigung wohl kaum vorgestellt haben!

Auch im Jahr 2013 ist die Vision von King noch nicht verwirklicht. Immer noch werden Menschen mit dunkler Hautfarbe in den USA überproportional häufiger hingerichtet als Personen mit hellerer Haut. Immer noch sind sie öfter von Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung betroffen.

Dennoch hat Kings Rede die Menschen bewegt und so in Bewegung gebracht. Auch wenn der einstige Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt hat „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, bleibt Kings visionäre Rede nachdrücklich in Erinnerung.

Seit dem erschütternden Mord an dem Bürgerrechtler ist mir King und seine Rede immer wieder begegnet. Besondere Bedeutung erhielt sie für mich 1981 wieder, als die Friedensbewegung in Deutschland auf die Straßen ging. Auch der Traum von Frieden war eines der wichtigen Themen in Kings berühmter Rede.

1982 bei der Ausarbeitung des Landesprogramms der Grünen Hessen war der gewaltlose Widerstand gegen Strukturen von Unterdrückung und Gewalt ein wichtiges Thema. Neben Henry David Thoreau und Mahatma Ghandi stand King in vorderster Reihe des Zivilen Ungehorsams gegenüber einer waffenstarrenden Übermacht des Hasses.

Ich hatte einen Traum, dass die Politik nach dem Einzug der Grünen in den Deutschen Bundestag diesen gewaltfreien Weg einschlagen würde. Am 24. März 1999 musste ich ihn aufgeben, als Außenminister Joschka Fischer von den Grünen einem Kriegseinsatz der Deutschen Bundeswehr im ehemaligen Jugoslawien zustimmte und ihn vor der Öffentlichkeit rechtfertigte.

Dennoch bewahrte ich mir diesen Traum. Ich bewahre ihn mir bis heute und für die weitere Zukunft. Immer noch habe ich den Traum, dass Bürgerrechte und das friedliche Zusammenleben der Menschen Vorrang haben in der Politik und im Handeln aller einzelnen Bürger.

Für diesen Traum bin ich am Sonntag (25. August) auf die Straße gegangen. Wenige Meter unterhalb meines Hauses fand im Leckergäßchen eine Kundgebung gegen einen fremdenfeindlichen Aufmarsch vor der Moschee statt, die wenige hundert Meter weiter gelegen ist.

„Ich hätte nie gedacht, dass es in Deutschland wieder rassistische Demonstrationen vor Gotteshäusern geben könnte“, sagte Bilal El-Zayat bei der Kundgebung im Leckergässchen. Gut 200 Menschen demonstrierten dort gegen die rassistische Aktion von sechs angereisten Vertretern der „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ (BPD) vor der Moschee.

Es war traumhaft, dass sich an einem Sonntagmorgen früh um 9 Uhr so viele Menschen im Leckergässchen versammelt hatten und dort trotz zunehmenden Regens fast zwei Stunden lang ausharrten. Es war traumhaft, wie die Anwesenden über Parteigrenzen hinweg Solidarität mit den Muslimen in Marburg bekundeten.

Ich habe den Traum, dass Menschen mit und ohne Behinderung, mit wenig oder viel Geld, mit heller und dunkler Hautfarbe oder auch Menschen mit verschiedenen Meinungen friedlich nebeneinander und miteinander leben und arbeiten. In meinem Haus wenigstens ist dieser Traum Wirklichkeit.

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